Literatur
Broschüre (Bisexualität & Partnerschaft)
Dr. Jürgen Höhn:
"Gedanken zu einer Ethik für (bisexuelle) Menschen in Liebesbeziehungen"
Eine kleine Broschüre für Menschen auf der Suche nach Anregungen für neue Partnerschaftsmodelle.
5. Auflage (erweitert) 2005
Inhalt: 63 Kapitel / 78 Seiten (vergriffen)
NEU !
6.Auflage 2011
Inhalt: 75 Kapitel / 100 Seiten
16,50 € inkl. Porto und Verpackung (Überweisung)
Inhalt: 75 Kapitel
- Andersartigkeit
- Angst
- Anpassung
- Bedingungslosigkeit
- Begehren
- Beklagen
- Beziehungsfähigkeit
- Beziehungssucht
- Bisexualität * (Leseprobe : s.u.)
- Dreierbeziehungen
- Eifersucht
- Einsamkeit
- Entlieben
- Enttäuschung
- Erreichbarkeit
- Freiheit
- Ganzheit
- Geborgenheit
- Gefühle
- Grenzen
- Harmonie
- Hass
- Individuation
- Integration
- Intimität
- Investition
- Kampfbeziehungen
- Konditionierung
- Konflikte
- Kränkungen
- Krise
- Langeweile
- Leid
- Liebe
- Liebesbeziehungen
- Loslassen
- Machtbeziehungen
- Mehrfachbeziehungen
- Minderwertigkeitsgefühle
- Moral
- Opferhaltung
- Partnerschaft
- Partnerwahl
- Rache
- Regeln
- Recht haben
- Sanfte Kommunikation
- Scham
- Schuldgefühle
- Selbstliebe
- Selbstverantwortung
- Selbstzweifel
- Sexualität
- Sex
- Sicherheit
- Sinn
- Spannungen
- Streit
- Traurigkeit, Schmerz
- Trennung
- Treue
- Überheblichkeit
- Unabhängigkeit
- Veränderungen
- Verantwortung
- Vergebung
- Verletzlichkeit
- Verlustangst
- Vorwürfe
- Verständnis
- Wachstum
- Wahrheit
- Wut/Ärger/Zorn
- Zärtlichkeit
*) Zum Kapitel 1 "Bisexualität" beachten Sie bitte unsere Leseprobe.
Die vollständige Broschüre können Sie bestellen über unser Kontakt-Formular oder einfach per e-Mail.
LESEPROBE aus der Broschüre
"Gedanken zu einer Ethik für (bisexuelle) Menschen in Liebesbeziehungen"
Kapitel 1
Bisexualität
Die in dieser Welt am meisten verbreitete Lebensform dürfte wohl die heterosexuelle Zweierbeziehung - in der Regel als Ehe - sein. Aber diese Konstruktion verdankt ihre Existenz eher dem Wunsch nach Sicherheit und Schutz weltlicher Güter als dem Wunsch nach Unterstützung der himmlischen Liebe.
Die in der Geschichte der Menschheit sehr junge "Liebesheirat" war - wenn man diese vom Blickwinkel des innewohnenden Anspruchs her ("bis dass der Tod euch scheidet") mit der momentanen Scheidungsrate (in Großstädten bis zu 60%) konfrontiert - keine sehr erfolgreiche Idee.
Für Menschen, die die Ideologie einer Zweierbeziehung bevorzugen (und das sind sicherlich die meisten Hetero-, Homo- und Bi-Sexuellen), besteht die Möglichkeit eine Illusion aufrecht zu erhalten: Die lebenslange Monogamie wäre möglich, wenn man/frau nur den/die richtige(n) PartnerIn gefunden hätte.
Alle Beziehungsformen, die von diesen Menschen tatsächlich in der Realität gelebt werden, können immer wieder als Übergangsmodelle (z.B. zeitliche Überschneidung von mehreren Partnerschaften in einer Phase der Umorientierung), als moralische Verfehlungen (Affäre, Seitensprung) oder auch als "Notlösungen" (z.B. Prostitution) bezeichnet und dadurch ihrer Ernsthaftigkeit entkleidet werden. Im Hintergrund lauert ständig die Illusion von der "großen Liebe". Die praktizierte Doppelmoral entpuppt sich so als schattenhafter Begleiter eines illusionären Anspruchs.
Erst für nichtmonogame Bisexuelle wird klar, dass die tatsächlich gelebten Beziehungsformen (Dreierbeziehung, Mehrfachbeziehung usw.) nicht temporär erlittene Notlösungen sein können, sondern in auf Dauer tragfähige Konstruktionen überführt werden sollten. Der Anspruch einiger bisexueller Menschen, die tatsächlich vorhandenen Gefühle der Anziehung
und der Verbundenheit mit verschiedenen Menschen (und nicht eine kulturell verordnete Illusion der lebenslangen, monogam ausgerichteten Anziehung) zu einer Grundlage der eigenen Lebensform zu machen, stellt das traditionelle Zwei-Personen-Modell grundsätzlich in Frage.
Monogame Strukturen sind für viele Bisexuelle, deren Begehren sich ja definitionsgemäß in zwei Richtungen bewegt, auf Dauer nicht tragfähige Kompromisslösungen. Das ist dann vermutlich eine der Ursachen dafür, dass die Zweierbeziehungen von monogam lebenden Bisexuellen oft von Einengungsgefühlen begleitet sind. Es besteht die Möglichkeit, dass die ständige Frustration auch schwächerer Anteile des bisexuellen Triebgeschehens zu einer kontinuierlichen Anhäufung negativer Gefühle führt, die sich dann plötzlich eruptiv entladen können.
Aus meiner Sicht ist die Bisexualität damit zum Anlass geworden, Strukturen von und Verhaltensweisen in Liebesbeziehungen prinzipiell auf deren begünstigenden oder hinderlichen Einfluss auf die Liebesfähigkeit der Beteiligten zu untersuchen. Kann die monogame Zweierbeziehung die Liebesfähigkeit der Partner unterstützen oder unterminiert sie diese? Wie verhält sich im Vergleich dazu eine offene, ehrlich-polygame Lebensform? Was unterstützt den Lebensprozess, der - um zu gelingen - ein Prozess der Herzöffnung sein muss? Was lässt die Liebe frei fließen? Könnte eine solche freie Form der Liebe die Struktur der Zukunft sein?
Vielleicht ist die Wahrnehmung und Verwirklichung unserer Bisexualität ein unerwartetes Geschenk, eine großartige Bereicherung, deren Wert darin liegt, dass sie uns dazu zwingt, aus der schläfrigen Unbewusstheit des alltäglichen Trotts aufzuwachen und unsere Gefühle und Bedürfnisse auch gegen alle Konventionen und den Widerstand der Umgebung ernst zu nehmen.
Zentrum für bisexuelle Lebensweisen - zbi
